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Badische Zeitung vom Mittwoch, 8. Mai 2003

Die Seiferts - Kleinkunst-Pioniere
Vor 20 Jahren "Fenster"-Gründer in Weisweil, seit einem Jahr in Kenzingen die "Original"-Bühne

 

KREIS EMMENDINGEN. Ein wenig spleenig sind sie sich schon vorgekommen, Rolf und Inge Seifert, als sie vor 20 Jahren auf die Idee kamen, ausgerechnet in Weisweil ein Forum für Kultur ins Lebens zu rufen. Doch die beiden fühlten sich ermutigt durch das legendäre "Halifax" von Ray Austin in Gottenheim und durch die Pionierarbeit von Klaus Spürkel in seiner nicht weniger legendären Nimburger "Kumedi".

Auch Rolf und Inge Seifert haben sich von Anfang an als Kulturpioniere verstanden. Der Name ihrer Kleinkunstbühne war Programm: "S'Fenster" - da kann man hinein- und heraussehen. Allerdings war auch beim "Fenster" aller Anfang schwer: Phänomenale drei Besucher sahen sich bei der Premierenvorstellung "Alexis Sorbas" an; bei der zweiten Aufführung kamen schon vier, darunter einer zum zweiten Mal: Der erste Stammgast war gefunden. - Als Rolf und Inge Seifert beim BZ-Gespräch auf ihre 20 Jahre Kleinkunst zurückblicken, erscheint dieser mühsame Beginn wie eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Denn die Bilanz ist beeindruckend: 500 Veranstaltungen haben die "Fenster"-Macher auf die Beine gestellt, insgesamt 40 000 Besucherinnen und Besucher - davon die meisten von außerhalb - fanden den Weg ins Weisweiler Feuerwehrhaus.

Doch heute ist das "Fenster" eine Konkurrenz. Denn trotz oder gerade wegen ihres Engagements entstanden Missstimmungen und am Ende wurde Rolf Seifert vom Verein als Vorsitzender ausgebootet. Ein "schmerzhaftes Jahr" sei dies gewesen, erinnert er sich - doch von seinem ganzen Naturell her warf er die Kleinkunst nicht hin, sondern begann (fast) von vorne. Und damit auch kein Zweifel bestehen konnte, nannte er seine neue Bühne "Das Original".

Seit einem Jahr ist der "Hirschensaal" im Zentrum des Üsenberger-Städtchens Kenzingens die Spielstätte des "Originals". Inge Seifert empfindet dies als "befreiend". Mit ihrer Wahl fühlen sich die beiden unermüdlichen Enthusiasten bestätigt. Denn in Kenzingen bestand offenbar eine Marktlücke für die Kleinkunst. Laut Seifert kamen 2002, im ersten "Original"-Jahr, durchschnittlich hundert Besucherinnen und Besucher zu den 28 Veranstaltungen und auch Bürgermeister Guderjahn unterstützt die Bühne. Sie wird von einem Verein mit über 50 Mitgliedern getragen, von denen etwa ein Dutzend ständig mit anpackt. Nur die wenigsten Besucher ahnen, welche Mühe es bereitet, ein qualitätsvolles und abwechslungsreiches Programm am Laufen zu halten.

Wie früher das Seifert'sche "Fenster" hat auch das Seifert'sche "Original" bei vielen Künstlern einen Stein im Brett - Katja Ebstein, "Oropax", Uli Keuler oder Mathias Deutschmann traten schon mehrfach auf. Darauf ist Rolf Seifert richtig stolz. Er und seine Frau sehen sich als Kleinkunst-Idealisten mit dem Mut, auch gegen den "Mainstream" zu schwimmen. Am Samstag wird's beim "Original"-Geburtstag dafür sicherlich Beifall geben.

Hans-Jürgen Truöl
Tipp: Der Kabarettist Kai Magnus Sting präsentiert am Samstag, 10. Mai, im Kenzinger Hirschensaal "Das Feinste vom Leben". Vorbestellungen [TEL] 07643/6154. Infos unter www.original-kleinkunst.de

 

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